25. Mai 2010Andy Eyring (Bergamont): Rennende nach 200 Metern

Beim Heim-Weltcup im badischen Offenburg stürzte der Bergamont-Fahrer aus Münnerstadt im Startgetümmel in die Zuschauer. Er fuhr zwar zunächst weiter, musste aber in der dritten Runde endgültig aufgeben
Wie gefährlich die Startphase für die Mountainbiker bei Cross-Country-Rennen sein kann, musste am Pfingstsonntag der Münnerstädter Andy Eyring erleben: der 21-jährige hatte einen Startplatz in der Mitte des 226 Mann starken Feldes, das im badischen Offenburg den dritten Weltcup der Saison ausfuhr. Mit dem Startschuss stürmten vor über 20.000 Zuschauern die hochmotivierten Sportler die lange Startgerade entlang, immer mit dem Ziel vor Augen, eine Lücke vor sich zu finden, ein paar Plätze gut zu machen, eine bessere Ausgangsposition vor den ersten Singletrails zu bekommen, wo es zwangsläufig zu Staus kommt. Diese heiße Startphase geht selten ohne Stürze ab, sei es, weil Fahrer im Eifer des Gefechts aus den Pedalen rutschen, die Ketten der Belastung nicht standhalten, sich die Fahrer gegenseitig an den Lenkern verhaken oder auch mal den Ellbogen zu weit ausfahren. Oder wie im Fall Andy Eyring, als ein italienischer Mitstreiter im Kampf um die besten Plätze eine Lücke vor sich zu entdecken glaubte und dabei Eyring schräg hinter sich übersah. Nur 18 Sekunden nach dem Startschuss flogen beide gemeinsam in hohem Bogen in die Zuschauer, die die Startgerade säumten. „Zum Glück für mich standen da keine Gitter, sonst hätte ich mir wohl ernsthaft weh getan“, resümierte Eyring später, der zwar hart auf den Kopf fiel, aber sonst ohne Blessuren davon kam. Bis er sich wieder aufgerappelt hatte, war das sprintende Feld längst komplett an dem Sportsoldaten vorbei gezogen. „20 Meter hinter allen anderen musste ich das Rennen wieder aufnehmen“, so Eyring, der diese Herausforderung bravourös löste: Bereits nach der kurzen Startrunde hatte Eyring schon wieder 23 Fahrer überholt. Ein Zwangsstopp in der Technical Zone warf ihn erneut weiter hinter alle Konkurrenten zurück. Doch Eyring steckte erneut nicht auf und sprintete erneut den anderen hinterher: „Eigentlich hätte ich mich gar nicht so sehr beeilen müssen: denn schon am ersten Singletrail stand ich im traditionellen Sonntagnachmittag-Stau.“ Noch zwei Mal hielt Eyring an, um sein Rad zu reparieren und in einen rennfähigen Zustand zu versetzen, aber nach zwei Runden gab er entnervt auf.
„Zum Glück ist mir selbst und auch den Zuschauern nichts passiert, und bis zum nächsten Einsatz beim Bundesliga-Rennen in Albstadt Mitte Juni ist auch mein Bergamont-Rad wieder funktionstüchtig“, zeigte sich Eyring erleichtert über den Ausgang des spektakulären Sturzes, auch wenn er sich über das unverschuldete vorzeitige Aus ärgerte. „Das kann passieren, das gehört halt zum Sport dazu, wenn alle um die besten Plätze kämpfen.“ Jetzt richtet der Nationalfahrer vom RWV Haselbach seinen Blick nach vorne: die Wettkampfpause nützt der 21-jährige Franke für ein Trainingslager mit der Nationalmannschaft im sächsischen Altenberg. Zehn Tage lang werden die Sportler dort unter Anleitung von Bundestrainer von Frank Brückner an Grundlagenausdauer und Kraft arbeiten, um fit für das zweite Saisondrittel zu werden. Abschluss des Trainingslagers wird das Straßen-Bundesliga-Rennen im Rahmen der Erzgebirgs-Rundfahrt bilden. „Mallorca war eine tolle Erfahrung für mich: ich freue mich schon darauf, mal wieder ein hochklassiges Rennen auf der Straße zu fahren. Aber mein Ziel ist es natürlich, bei dem MTB-Bundesliga-Rennen in Albstadt wieder ganz vorne mit dabei zu sein!“ In Münsingen hatte der Münnerstädter Platz 5 belegt, in Heubach vor einer Woche schon Platz 4 – was in der Gesamtwertung derzeit Platz 3 ergibt: „Den will ich natürlich verteidigen – oder sogar noch ein bisschen weiter nach vorne kommen!“
Text: Armin M. Küstenbrück
Photos: Armin M. Küstenbrück (EGO-Promotion)