Die New Yorker Radkurierszene hat damit begonnen ... jetzt ist es der größte urbane Sporttrend unserer Zeit - wie die New York Times in ihrer Stil-Beilage schreibt: "mit einem für das Stadion gebaute Rennrad durch die Großstadt zu fahren". In den vergangenen fünf Jahren ist es in New York für jeden, der mode- und trend bewußt ist, zur Selbstverständlichkeit geworden, sich mit dem Bahnrad durch die Straßen Manhattans zu bewegen, und der Trend beginnt auch in die deutschen Großtädte Hamburg, Berlin und Köln zu schwappen. Als erster großer deutscher Anbieter greift nun der Hamburger Fahrradbauer BERGAMONT diesen Trend auf und bietet ab April 2008 ein exklusives Bahnrad für den Stadtverkehr in limitierter Auflage von 300 Stück zum Kauf an.
Das Bahnrad ist das klassischste aller Rennräder. Schon Ende des 19. Jahrhunderts - lange vor der ersten Tour de France - wurden mit solchen Rädern Sechs-Tage-Rennen gefahren. Jetzt tauchen sie auf den deutschen und internationalen Strassen wieder auf. Es sind Rennräder, die auf das absolute, funktionale Minimum reduziert sind: Sie haben keine Bremsen, keine Gangschaltung und keinen Freilauf. Sie sind allein dazu da, auf ebener Strecke schnell dahin zu gleiten. Eine Reinheit des Konzepts, dass es bei keinem anderen Fahrradtyp gibt.
Mit einem Bahnrad durch eine Großstadt zu fahren ist auf den ersten Blick absurd. Es ist, wie mit Spikes auf Asphalt einen Marathon zu laufen oder sich mit einem Formel1-Wagen durch den Berufsverkehr zu schlängeln. Dennoch - oder vielleicht gerade deshalb? - ist das Bahnradfahren in der Großstadt seit dem Skateboarden der größte urban Bewegungstrend der Gegenwart.
In New Yorker Szenevierteln wie Williamsburg oder der Lower East Side sind um jeden Laternenmast Dutzende von Bahnräder angekettet, auf den breiten Manhattaner Avenues schlängeln sich zu Tausenden Kuriere und Studenten aber auch Rechtsanwälte, Buchhalter und College-Professoren mit den filigranen Maschinen durch den chaotischen Verkehr. Designer-Boutiquen schmücken ihre Schaufenster mit den Kulträdern und der zum Track-Bike gehörende Radkurier-Look mit dem hochgekrempelten rechten Jeans-Bein und der schweren Schlosskette um die Hüfte ist ein Modehit. Doch das Bahnrad ist nicht nur unter der New Yorker Stil-Avantgarde ein Muss. Der Trend hat sich schon längst auch in London, Paris, Hongkong und Tokio durchgesetzt. Jetzt kommt er nach Deutschland.
Wenn man die Anhänger des Bahnrad-Kults fragt, warum es denn so faszinierend ist, ohne Gang, Bremse oder Freilauf durch die Stadt zu fahren, bekommt man immer wieder eine Antwort: "Man verschmilzt mit dem Bahnrad, man wird in einer Art und Weise Eins mit der Maschine, wie das bei keinem anderen Rad geht" sagt etwa Alfred Bobe, New Yorker Radkurier und Star der dortigen Singlespeed-Szene. Beschleunigen und das Tempo verlangsamen, sei wegen der starren Nabe eine und dieselbe, niemals stockende Bewegung und darin liege eine natürliche Eleganz. "Es ist ein unaufhörlicher Flow“ schwärmt Bobe.
Weil man niemals zum Stillstand kommt, zwingt das Bahnradfahren in der Stadt zu einer ganz neuartigen Fahrweise. "Du kannst nicht so leicht anhalten, deshalb musst Du immer vier Kreuzungen weiter denken", so Bobe. Der Fahrer muss entscheiden, wie weit er noch bei grüner Welle kommt und blitzschnell seine Route anpassen, die deshalb ständig im Kopf überarbeitet wird. Fest steht nur der Zielpunkt, der Weg dahin richtet sich nach dem, was dem Piloten unterwegs begegnet und widerfährt. "Du nimmst den Rhythmus der Stadt in Dir auf, weil Du gar nicht anders kannst, als immer mit ihm mitzuschwimmen." Außerdem, so Bobe, müsse man ständig alle Antennen auf Empfang gestellt haben. Der Fahrer muss antizipieren, was die Autos um ihn herum machen, aus dem Augenwinkel die Fußgänger im Blick behalten und jederzeit bereit sein, zu reagieren und auszuweichen. "Man gerät in einen höheren Bewusstseinszustand. Man geht vollständig im Hier und Jetzt auf", sagt Daniel Leeb, ein New Yorker Filmemacher, der derzeit einen Dokumentarfilm über die New Yorker Singlespeed-Szene dreht. "Es ist eine Art von Meditation."
Doch Leeb sieht den Reiz des Singlespeed-Fahrens in der Stadt nicht alleine in dem gänzlich neuartigen Radfahrerlebnis und dem damit verbundenen völlig andersartigen Erleben der Stadt. Der Erfolg des Trends, so Leeb, beruhe vor allem auch auf dessen Vorbildern, den Radkurieren. New Yorker Radkuriere benutzen seit 30 Jahren Bahnräder und fahren damit am Wochenende wilde Orientierungsrennen - sogenannte "Alley Cats" (Hinterhofkatzen-Rennen) - durch die Stadt, bei denen sie Kopf und Kragen riskieren. Die Kuriere sind für viele Leute romantische Figuren, Stadt-Cowboys, moderne Outlaws. Sie sind rebellisch, anarchisch und tough und deshalb werden sie gerne nachgeahmt So nehmen auch immer mehr Trend-Singlespeeder, an den Alley Cat Races teil, die, wie die Sportgeräte selbst, zu dem Kult dazugehören.
Viele Trendsetter fahren alleine deshalb Bahnräder, weil sie die Ästhetik der Maschinen bewundern. So sagt der New Yorker Grafik-Designer Michael Brenner, glühender Anhänger des Kults und Besitzer gleich mehrerer Bahnräder: "Die Einfachheit und Reinheit des Designs ist genial. Es ist eine klassisch moderne Maschine, so direkt wie eine Büroklammer. Man versteht beim ersten Hinschauen jede Funktion." Ähnlich erklärt auch Daniel Leeb die ästhetische Anziehungskraft der Singlespeeds: "Wir hantieren in unserer heutigen Welt permanent mit Geräten, die wir nicht verstehen: Autos, Handys, Computer. Dazu ist das Singlespeed ein wohltuender Gegenentwurf. In gewissem Sinn holt es uns aus unserer virtuellen Blase zurück in die Wirklichkeit."
Auch unsere Bergamont - Designer sind von der schlichten Schönheit der Bahnmaschine fasziniert und haben das Erscheinungsbild an die klassichen italienischen Vorbilder angegelgt. Wie im Bahnradsport ist eine gerade Gabel verbaut. Trotzdem lässt das Rad dem Benutzer die Option, einen Freilauf zuzuschalten. Man kann sich mit dem Track-Bike das unverfälschte Singlespeed-Erlebnis der New Yorker Radkuriere holen. Der Fahrer kann aber auch zum Einstieg und in brenzligen Situationen die verkehrssichere Variante wählen ohne auf den Schick eines originalen Track-Bikes zu verzichten und zwar indem er den Freilauf mit Hilfe der FlipFlop-Nabe zuschaltet.
DAS BIKE